[>>]

Badezimmergeräusche und die Vertiefung des Unglücklichseins

In meinem Badezimmer hört man des öfteren Musik. Das Seltsame daran ist, dass sie weg ist, sobald man das Fenster öffnet. Das heisst, sie kommt irgendwie durch die Stadtmauern hindurch. Keine Ahnung. Und das ist ja auch das tolle daran, nicht wahr, dass man nicht genau weiss, woher sie kommt und sich dann Gedanken dazu machen kann. Dieser Mensch, der diese Musik abspielt, scheint etwas seltsam zu sein. Neben dem üblichen Bumm-Bumm gibts nämlich durchaus auch mal etwas Volkstümliches oder ähnliches zu hören.

Heute morgen schoss, wer auch immer jeweils diese Musik so laut hört, dass ich das mitkriege, aber den Vogel ab: Es ertönte nämlich die Marseillaise. Nicht einmal, sondern während der ganzen Zeit, die ich noch im Badezimmer verbrachte. Erstaunt, aber dennoch leicht ergriffen, begann ich dann halt mitzusingen. Ich habe nämlich bis jetzt nicht gewusst, dass man in Frankreich offensichtlich den 14. Juli vorverschoben hat.

Gestern, und das hat jetzt eigentlich gar nichts mit dem Thema da oben zu tun, aber egal: Gestern habe ich aufgrund dieses Artikels mit der Lektüre von Paul Watzlawicks Anleitung zum Unglücklichsein angefangen. Aber leider habe ich all diese vom Autor empfohlenen Methoden bereits schon länger fest verinnerlicht, so dass ich bisher nicht wirklich etwas neues erfahren habe. Besonders die Methode, die er als Ovidsches Rezept beschreibt, kenne ich nur zu gut: Ein Mann will sich bei seinem Nachbarn einen Hammer ausleihen. Doch vorher beginnt er, sich Gedanken zu machen: Was, wenn er mir diesen gar nicht geben will? Hat er mich gestern nicht nur sehr flüchtig gegrüsst? Der hat bestimmt etwas gegen mich. Was bildet der sich ein? Das spinnt er dann in seinem Kopf so lange weiter, bis er schliesslich wütend beim Nachbarn klingelt und ihm ein "Behalten Sie doch Ihren Scheiss-Hammer" entgegenschleudert (gut, im Buch hat er es nicht ganz so ausgedrückt, aber Sie wissen, was ich sagen möchte). Wie dem auch sei, ich werde jedenfalls weiterlesen und hoffen, doch noch irgendwelche mir unbekannten Methoden zu entdecken, durch die ich mein Unglücklichsein noch vertiefen könnte. Vielleicht sollte man dem Herrn Watzlawick mal von den Young Boys erzählen. Das gäbe dann quasi die Fortsetzung zum Buch.

PS1: Im Badezimmer ertönt jetzt gerade keine Musik.

PS2: Soeben im Posteingang:
newfield (Gast) - 13. Jun, 09:45

ich werde jedenfalls weiterlesen und hoffen, doch noch irgendwelche mir unbekannten Methoden zu entdecken

und?
weil die geschichte mit dem hammermann habe ich auch bereits gekannt.
guten morgen.

nie - 13. Jun, 14:54

Leider hat mich die Arbeit bisher am Weiterlesen und somit auch am Neue-Methoden-Entdecken gehindert.

Sollte verboten werden, dieses Arbeiten, finde ich.

Ebenfalls guten Morgen.
newfield (Gast) - 14. Jun, 12:59

via ipod und kulturblog gestern auf zeugs gestossen, wo sie als dylanaffine auch noch interessieren könnte.

drei grosse, aber nicht unproblematische (gehört wohl zusammen), künstler singen einen klassiker - hier mit anständigem sound ...



... und hier die unanständigen bewegten bilder dazu (vielleicht können sies ja matchen):



aber eigentlich gings mir ja um dies hier.

sie als LetztesFM-member könnens ja anhören, nehm ich mal an. nette story, ist es nicht? schon gekannt?

NB: sind sie eigentlich irgenwo im interaktiven internet nicht dabei? wie? indiskrete frage, stimmt.

nie - 15. Jun, 02:09

Oh, danke sehr, Herr newfield, das versüsst einem doch gerade den Feierabend nach einem recht arbeitsreichen Wochenende. Ich glaube, um mir das als Letztes-FM-Mitglied anhören zu können, müsste ich bezahlen, weil ich meine maximale Anzahl an Gratis-Liedern schon gehört habe. Tja.
Ich kannte die Story so im Hinterkopf, quasi, aber jetzt so voll 100 Prozent präsent war sie mir nicht.
Sehr schön, also.

NB: sind sie eigentlich irgenwo im interaktiven internet nicht dabei? wie? indiskrete frage, stimmt.

Oh ja, Herr newfield, und wie: Ich bin NICHT bei Facebook.
Aber zugegeben: Vermutlich aus Mangel an sozialem Real-Netzwerk melde ich mich bei all diesen interaktiven Internet-Sachen an, verliere relativ schnell mal das Interesse daran, und die armen Seiten dümpeln dann traurig und verlassen vor sich hin.
Wobei: Das etwas anonymere (im Vergleich zu Facebook, meine ich) MySpace hat durchaus seine Vorteile: So habe ich vor kurzem einem jungen Menschen aus Ägypten - sein vergötterter Held: El Hadary, Sie verstehen - erklärt, wie das denn genau mit den Hierarchiestufen beim FC Sion aussieht. Das war schon recht amüsant, muss ich zugeben.
Heja.