Auf der Website der englischen Zeitung The Guardian konnte man heute folgende hübsche Analyse des Spiels zwischen Hull City und Manchester City (2:1) betrachten:
In seiner heutigen Ausgabe erklärt der SonntagsBlick das Wort "Veryoungboysen" - durchaus zu Recht, wie man nach dem heutigen Frühlingsrundenauftaktspiel gegen den FC Basel (null zu vier) sagen kann - und kommt dabei auf folgende Synonyme:
Toll, dachte ich zuerst. Wie sind diese Blick-Menschen nur wieder auf all diese Thesauren gekommen? Ich meine, dieser Ideenreichtum, toll, oder? Doch dann erinnerte ich mich dunkel an folgenden Beitrag, den ich am 18. November in Erwartung des Scheiterns der Franzosen in der WM-Quali-Barrage schrub:
Erstaunlich, nicht wahr? Da sind doch die Blick-Menschen extremst zufälligerweise auf genau die gleichen Ausdrücke gekommen wie ich damals. Wirklich ein unglaublicher Zufall.
Es gibt Mannschaften, die holen Titel. Und dann gibt es andere, die das eben nicht tun. Von Letzteren war an dieser Stelle öfter die Rede. Heute wenden wir uns zur Abwechslung mal einem Team zu, das Titel gewinnt. Mehrere sogar: Gestern hat die französische Handball-Nationalmannschaft, nachdem sie bereits Olympiasieger und Weltmeister geworden ist, nämlich auch noch den Europameistertitel geholt.
Haben Sie das gesehen, Herr Domenech? So würde das aussehen, wenn eine Nationalmannschaft Erfolg hat. Nett, oder?
Im Gegensatz zur WM vor einem Jahr habe ich diesmal sogar mitbekommen, dass eben bis heute eine Handball-EM stattgefunden hat. Ich habe sogar sage und schreibe die letzten beiden Minuten des Finals gesehen und dabei festgestellt, dass die Franzosen - das waren glaubs die in Blau - unglaublich souverän gespielt haben.
Mehr konnte ich mir von diesem Spiel leider nicht anschauen, weil zuvor eben der Final des Afrika-Cups lief, und da habe ich mich am Schluss für Ägypten und seinen Goalie, Herrn El Hadary, gefreut und mich gleichzeitig dunkel daran erinnert, dass er, also Herr El Hadary, bereits letzten Mai einen Titel gewonnen hat, den ich ihm damals aber etwas weniger gegönnt habe.
Item, wenn wir gerade dabei sind, wenden wir uns noch einer anderen Randsportart zu. Menschen, die vielleicht hin und wieder mein Gezwitscher verfolgen, werden bereits mitbekommen haben, dass es durchaus mal vorgekommen ist, dass ich sonntagmittags jeweils etwas seltsame Hieroglyphen von mir gegeben habe. Das liegt daran, dass ich da jeweils Slalom schaue - meiner Meinung nach die absolute Königsdisziplin im alpinen Skisport, aber ich schaue ja auch nur Slalom, nicht wahr -, und hin und wieder fiebere ich da eben ein wenig zu obsessiv mit dem Lieblingsskifahrer mit.
Bild geklaut bei lizeroux.com
Julien Lizeroux - wie es der Zufall will ebenfalls ein Franzose - war übrigens diese Saison nie schlechter klassiert als auf Platz sieben. Soll heissen: Ich kann also durchaus auch Teams unterstützen, die Erfolg haben. Oder Randsportler.
Wie dem auch sei. Randsport ist ab und zu toll, aber eigentlich sind wir doch alle froh, dass es nächstes Wochenende wieder los geht, oder? Endlich wieder bei Minustemperaturen im Fussballstadion sitzen und frieren. Hach.
Wie so viele Fussballvereine hat auch Manchester City Fans. Diese sind aussergewöhnlich treu: So sollen Ende der 90er-Jahre, als City zweimal abgestiegen ist, die Spiele dennoch mit 32000 Zuschauern konstant ausverkauft gewesen sein. Zum Vergleich: Als die Young Boys Ende der 90er-Jahre ebenfalls zweimal abstiegen, besuchten in der NLB zum Teil jeweils 1500 Zuschauer die Spiele. Ich weiss das. Ich war nämlich dort.
Sonst ist es so, dass die Leute, die tatsächlich aus Manchester kommen, oftmals City unterstützen, und Manchester United hingegen eher Fans von ausserhalb hat. Oder in anderen Worten: "E rächte Mäntschester-Giel, dä isch für City". Die Blues haben neben mir übrigens noch andere prominente Fans, etwa die Leute von Oasis (gibts die Band eigentlich noch?), Ian Curtis von Joy Divison (er ist leider schon von uns gegangen) und Johnny Marr von den Smiths (er lebt noch).
Viele Fussballvereine haben einen eigenen Song, den die Fans dann vor den Spielen jeweils mit Inbrunst intonieren. Was auch die Young Boys vor einiger Zeit mit eher peinlichem Resultat versucht haben, und die Basler dafür auf beeindruckende Art und Weise hinkriegen, schaffen eben auch die Fans der Blues. Und zwar hat die City-Hymne nichts mit dem Rhy oder sonst einem Gewässer zu tun, sondern mit dem Mond: Blue Moon heisst das hübsche Lied, Sie können es sich hier anhören:
Es wäre schön, wenn Sie trotz Ihrer Ergriffenheit weiterlesen würden, denn wir kommen nämlich jetzt zum absolut wichtigsten Teil dieser kleinen Serie: dem Maskottchen. Was wäre ein Fussballklub ohne Maskottchen? Was wäre YB ohne den Obi-Biber? Eben. Das Maskottchen von Manchester City heisst Moonchester. Das ist jetzt furchtbar originell: Das Maskottchen stammt vom blauen Mond (Blue MOON, siehe Vereinshymne) und arbeitet in ManCHESTER. Gleich Moonchester. Toll, nicht?
Moonchester (rechts im Bild) hat übrigens früher mal eine Partnerin gesucht und sie in der entzückenden Moonbeam (links im Bild) gefunden. Die beiden kann man übrigens auch für Feste und Hochzeiten (ja, das da oben auf dem Bild sind tatsächlich Hochzeitstortenfiguren) mieten. Vielleicht sogar für Beerdigungen, wer weiss.
Fassen wir also nochmal das Wichtigste zusammen: Manchester City ist nicht Manchester United, der Trainer mag Desserts und Roger Federer, die Spieler mögen Golfschläger und Schiedsrichter und die Fans sind treu und haben ein seltsames Maskottchen. So weit, so gut.
Und ich selber? Ich bin auf dem richtigen Weg, glaube ich. Ich bin bereit, Manchester City zu unterstützen. So habe ich inzwischen mein Schlafzimmer umgestaltet:
Meinem Hund Robinho habe ich ebenfalls eine neue Ausrüstung verpasst:
Von daher denke ich, dass ich guten Gewissens diese kleine Serie hier beenden kann. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit, und wer weiss, vielleicht ist ja die immense Begeisterung auf Sie hinübergeschappt, und Sie summen künftig beim Putzen, Autofahren oder Blumengiessen ebenfalls hin und wieder Blue Moon vor sich hin.
Und denken Sie daran, irgendwann wird er kommen, dieser Meistertitel. Ganz bestimmt. Vielleicht.